Books on Demand (BoD): die ehrliche Einschätzung
Die kurze Antwort: BoD aus Norderstedt gehört zu den ältesten und größten deutschen Selfpublishing-Anbietern mit Druck auf Bestellung. Die echte Stärke ist nicht der Druck an sich, sondern der Weg in den deutschen Buchhandel: Katalogeintrag, Bestellbarkeit über den Zwischenbuchhandel, dazu E-Book-Vertrieb. Wenn dein Buch für Buchhandlungen, Bibliotheken und Leser jenseits von Amazon sichtbar sein soll, ist das der Punkt, an dem BoD stärker ist als eine reine Online-Plattform.
Bei Anbietervergleichen wird gern die falsche Frage gestellt: „Wer ist der Beste?“ Die nützliche Frage lautet: „Wo soll mein Buch am Ende auffindbar sein?“ Denn die deutschen Selfpublishing-Anbieter sind alle legitim, und sie unterscheiden sich vor allem darin, in welchen Katalogen und Regalen ihre Titel landen. Bei BoD ist die Antwort ziemlich klar.
Wer BoD ist
Books on Demand mit Sitz in Norderstedt bei Hamburg ist einer der Veteranen dieses Marktes. Das Haus gibt es länger als die meisten Selfpublishing-Plattformen, die heute die Gespräche bestimmen, und es ist im deutschen Buchmarkt entsprechend verankert. Das Modell ist Print-on-Demand: Es wird gedruckt, was bestellt wird, du hast kein Lager, keine Vorfinanzierung einer Auflage und keine Kartons im Keller.
Rund um diesen Kern stehen Pakete und Zusatzleistungen. Deren Zuschnitt und Konditionen haben sich über die Jahre verändert und unterscheiden sich je nach gewähltem Modell, deshalb nennen wir hier bewusst keine Zahlen. Was du vor der Entscheidung wirklich vergleichen solltest, steht weiter unten.
Die eigentliche Stärke: der deutsche Buchhandel
Der Unterschied zu einer reinen Online-Plattform ist die Distribution in den Buchhandel. Konkret heißt das zweierlei. Erstens wird dein Titel im Verzeichnis Lieferbarer Bücher geführt, also in dem Katalog, in dem Buchhandlungen tatsächlich nachsehen, wenn jemand am Tresen nach einem Buch fragt. Zweitens ist dein Buch über den Zwischenbuchhandel bestellbar, also über die Großhändler, mit denen jede Buchhandlung ohnehin arbeitet.
Das klingt technisch, ist aber der Unterschied zwischen „existiert“ und „existiert im System“. Eine Buchhändlerin kann kein Buch bestellen, das sie in ihrem Katalog nicht findet. Sie wird auch nicht anfangen, für einen Kunden ein Amazon-Paket zu bestellen. Wer im deutschen Buchhandel vorkommen möchte, muss in diesen Katalog.
Dazu kommt der E-Book-Vertrieb, sodass du Druck und digitale Ausgabe an einer Stelle verwalten kannst, statt zwei Baustellen zu pflegen.
Was „im Buchhandel erhältlich“ wirklich heißt
Hier trennen sich zufriedene und enttäuschte Autoren, und zwar fast immer wegen einer Erwartung, die niemand ausgesprochen hat. Bestellbar bedeutet: Dein Buch ist auffindbar, hat eine gültige Bestellnummer und kommt zuverlässig an, wenn jemand danach fragt. Bestellbar bedeutet nicht: Dein Buch liegt auf dem Tisch neben dem Eingang.
Ins Regal kommen Titel, für die es einen Grund gibt. Der Grund kann eine Lesung sein, regionale Verankerung, ein Thema, das genau zu dieser Stadt passt, oder schlicht, dass du die Buchhändlerin persönlich angesprochen hast, mit einem fertig aussehenden Exemplar in der Hand. Die Distribution öffnet die Tür. Durchgehen musst du selbst.
BoD oder KDP? Zwei verschiedene Reichweiten
| Kriterium | BoD | Amazon KDP |
|---|---|---|
| Wo dein Buch landet | Deutscher Buchhandel: Katalogeintrag, Bestellbarkeit über den Zwischenbuchhandel, dazu Online-Händler | Beim größten Online-Buchhändler Deutschlands, mit dessen Such- und Empfehlungsmechanik |
| Typischer Leserweg | Buchhandlung, Katalogsuche, Bibliothek, Online | Suche und Empfehlung im Amazon-Shop |
| Stärke | Anschluss an die Infrastruktur des Buchhandels | Schiere Größe des Publikums, sehr einfacher Einstieg |
| Kosten | Je nach Paket unterschiedlich, aktuelle Konditionen beim Anbieter prüfen | Modell und Konditionen direkt bei der Plattform prüfen |
| Kombinierbar? | In der Regel ja, solange du dich nicht für ein exklusives E-Book-Programm entschieden hast. Der Endkundenpreis muss wegen der Buchpreisbindung überall gleich sein. | |
Was du vor der Entscheidung vergleichen solltest
- Was ist im Paket enthalten? Distribution, ISBN, E-Book-Ausgabe, Autorenexemplare: Die Zusammenstellung entscheidet, ob ein Angebot günstig oder teuer ist, nicht der Preis auf der Startseite.
- Wie teuer sind Änderungen? Fast jedes Buch bekommt nach dem Erscheinen eine Korrektur. Die Bedingungen für eine neue Datei sind wichtiger, als die meisten Autoren beim Anmelden glauben.
- Wem gehört die ISBN? Eine mitgelieferte Nummer ist bequem, macht aber den Anbieter zum eingetragenen Verlag deines Buches. Eine eigene ISBN behält diese Rolle bei dir.
- Wie schnell und wie sichtbar wird der Katalogeintrag? Frag konkret nach dem Weg deiner Metadaten in den Buchhandelskatalog, denn genau dafür bezahlst du.
- Welche Dateien werden verlangt? Innenteil und Umschlag als druckfertige PDF-Dateien, mit Anschnitt und korrekt berechneter Rückenbreite.
Für wen BoD passt, und für wen nicht
Passend ist BoD, wenn dein Buch im deutschsprachigen Raum spielt und dort auch verkauft werden soll: Regionalthemen, Sachbücher mit lokalem Bezug, Titel, die du selbst bei Buchhandlungen, Vereinen oder auf Veranstaltungen ins Gespräch bringst, und alles, was Bibliotheken interessieren könnte. Wer irgendwann jemandem sagen möchte „Bestell es einfach bei deiner Buchhandlung“, braucht diesen Weg.
Weniger passend ist es, wenn dein Publikum ohnehin ausschließlich online sucht und kauft, du auf englischsprachige Märkte zielst oder du bewusst auf ein exklusives E-Book-Programm setzt. Dann bezahlst du für eine Infrastruktur, die deine Leser nicht benutzen.
Und in beiden Fällen gilt derselbe unbequeme Satz: Der Vertriebsweg entscheidet, wo dein Buch gefunden wird, aber nicht, ob es überzeugt. Ein Titel, der über den Zwischenbuchhandel in einer Buchhandlung landet, wird dort mit Verlagsbüchern verglichen, Seite für Seite. Der Innenteil muss diesem Vergleich standhalten, sonst war die schönste Distribution umsonst.
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